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So tun, als ob es lustig sei – die CO2 Generation und ihre Ansprüche an die Gesellschaft

Ein Beitrag von Emil Sänze:


Es ist gut möglich, dass auch Ihnen eine Gruppe von jungen Leuten, vorwiegend männlich, aufgefallen ist, die sich zwanghaft und berufsmäßig bemüht, medial eine repräsentative „Jugend“ darzustellen. Diese Leute sind in der Regel um die 30 und gelten als Komiker, Blogger oder schlicht YouTuber, was wohl einen Lebensentwurf und eine Lebensleistung darstellen soll. Da ist es ganz gut, dass einem medial gleich gesagt wird, wenn es sich um einen „Komiker“ handelt, denn oft genug empfindet man bei der abgelieferten Leistung eher Mitleid, denn Lachen. Ein Beispiel ist Luke Mockridge, der jüngst bei seinem Auftritt im ZDF-Fernsehgarten einer Versammlung von unbedarften Menschen, die einfach einen schönen Tag zubringen wollen, schlechte Witze über alte Leute erzählt und Affengeräusche macht. Bezeichnend war für unser in seinen Werthaltungen verunsichertes Land, dass sich auch da noch jemand zu klatschen bereitfand, weil man eben den Erwartungen an das Publikum einer TV-Show genügen wollte. Die Moderatorin Andrea Kiewel brach das Spektakel schließlich mit drastischen Worten ab. Die anschließende mediale Diskussion im Sommerloch war eigentlich ausschließlich selbstreferentiell und fernab jeden Lebensbezugs. Aber der Berufsjugendlichen, die uns mit neonfarbener Basecap, Nerdbrille, Dreitagebart und zeitgeistiger, ultraliberaler und angestrengt „hipper“ Meinung entgegentreten, sind noch immer genug. Dass es sich bei diesem Zirkus nicht um reales Jugendleben handelt, weiß schließlich jeder. Dennoch ist er in seiner Richtungslosigkeit und Ziellosigkeit beklemmend.
Es wird für uns medial eine Generation inszeniert, die nicht erwachsen sein, die aber dennoch gehörte Meinung sein will. Deren Lebensstil geradezu darin besteht, überall „Engagement“ zu zeigen, aber keine reale Verantwortung zu übernehmen und kein Funktionsamt innezuhaben. Da wird dann noch der niveauloseste Auftritt zu einem „Prank“ stilisiert, auf dass man sich unter sich, wo alles nicht ernst sein mag, wacker vor lauter Freude über den gelungenen Scherz auf die Schenkel klopfen mag. Ein solches Bild der jungen Generation wird uns vorgeführt, das eigentlich unwürdig und in dieser Würdelosigkeit traurig ist. Würdelos ist das Bild, weil keine konstruktiven Lebensentwürfe propagiert werden; vielleicht ist dies so, weil der Zwang zum sensationellen Neuen, zur angeblichen gesellschaftlichen Innovation, die immer als etwas Gutes daherkommen will, das Traditionelle per se ohne Prüfung negieren muss. Es wird uns eine essentiell leere Welt gezeigt, die mit ihren medialen Blähungen rein auf sich selbst bezogen ist, und die das Leben der meisten Menschen und auch ihre lebensgestaltenden Wünsche schlicht nicht abbildet. „Chillen“ – zutiefst unkonstruktive und unproduktive Deutung der Lebenszeit als belanglos verbrachte Zeit – wird als würdiger Lebensentwurf suggeriert, und es ist Trash-Kunst, die uns heute als angebliche Norm des Jugendlebens vorgeführt wird. Hauptsache, es fällt auf: Jeder will sich irgendwie demonstrativ verwirklichen, und hat doch nichts von Belang zu kommunizieren. Er lässt sich Tätowierungen stechen, um möglichst individuell zu wirken und treibt die belanglose Individualisierung auf die Spitze. Er will Bedeutung haben, weil er das Gefühl bekommt, er bedeutet in dieser durchökonomisierten Gesellschaft nichts mehr.
Doch die Botschaften, die auf der Haut getragen werden, sind meist ebenso belanglos, wie zufällig, und sie wirken bei Manchen wie neue Stammeszeichen einer postmodernen Horde, der es nichts ausmacht, auf ihrem Marsch durch die Zeit alle rationale mitteleuropäische Zivilisation hinter sich zu lassen und sich mitten in einer verkeimten, vollgespuckten Bahnhofshalle niederzulassen – neue Wilde, die sie sein wollen. Und dabei nehmen sie alle materielle und immaterielle Infrastruktur, die die Wilde und scheinbar so unabhängige Pose erst ermöglicht, wie selbstverständlich, wie etwas seinerseits Belangloses hin, dessen Erhaltung keinen Gedanken wert zu sein scheint. Und, ehrlich gesagt, Letzteres stört mich, und auf dieses Thema Verantwortung und Verpflichtung will ich in diesem Beitrag hinaus. Es geht hier nicht um eine der über die Jahrhunderte herkömmlichen Klagen älterer Herren über den betrüblichen Zustand der Jugend. Wenn mich etwas stört, dann suche ich die Gründe dahinter.
Man kann heute als Abgeordneter Anlässe erleben, wo einem aufgeweckte junge Leute völlig überzeugt die Notwendigkeit des teilenden Ausgleichs mit der ganzen Welt darlegen. Wenn man dann einwendet, man könne ja wohl nur teilen, wenn man selber genügend hat – dann wird einem von demselben jungen, adretten Mann treuherzig versichert, er selber erwarte für sich sowieso einmal keine Rente. Wer wird einmal genauso altruistisch mit ihm teilen? Der, der nichts hat? Dass dieser Fatalismus eigentlich traurig ist, erschließt sich ihm nicht. Er müsste sich in unserem angeblich so reichen Land doch eigentlich empören, wenn dieses Land sich nicht um ihn sorgt, sondern nur seinen Beitrag will. Denn er geht selbstverständlich davon aus, dass alles weniger und schlechter wird – ignoriert aber ganz zufrieden mit sich auch die Anstrengungen, die notwendig waren, um von einem einmal erreichten Gipfel derartig selbstverständlich-nonchalant ins Tal rutschen zu können. Welche Generation konnte sich je leisten, sich mit Kopfhörern und Smartphone von ihrer Umwelt zu isolieren, als gingen all die Vorgänge des öffentlichen Lebens sie nichts an und sie könne sich nach Belieben ausklinken? Für die Mädchen wird als Ersatzbeschäftigung die Rolle des konsumierenden Modeopfers medial angeboten, oder eben die Verabsolutierung des Beziehungslebens zum emotionalen Trash-Drama. Die Subjektivität wird zum höchsten Gut stilisiert. Auch hier findet keine Spur von Hinweisen auf Verantwortung gegenüber realen Menschen statt, allenfalls gegenüber einer abstrakten „One World“. „All für One World, One World for all“ heißt es heute ja bereits in von den Zentralen für politische Bildung geförderten Schulbüchern. Alles wird da eins, und alles ist nichts, aber die vorhandene Energie wird übrigens systemtragend kanalisiert und von der Misere der eigenen mickrigen Zukunftserwartungen abgelenkt. Nicht das eigene Land hat für einen zu sorgen, sondern die Welt, und diese könne das nicht infolge einer durch böse Egoistengruppen verursachten Grundungerechtigkeit! Plötzlich wird in lupenreinem Alterskohorten-Egoismus im Verein mit einer bewährten Migrationslobby für „unsere Zukunft“ wider die verderbliche und uneinsichtige Tyrannei der allgegenwärtigen, CO2 verbreitenden „alten weißen Männer“ gewettert! Diese hatten dabei die Unverschämtheit, unter eigener Gewinnerwartung all die Strukturen aufzubauen, in denen man selbst in Deutschland eigentlich ganz bequem lebt und die man jetzt mit einem Federstrich wegwischt. Dabei wird auch den „alten weißen Männern“, die offenbar zwischen der Generation der Klimaprotestierer und ideologisch gerechtfertigten Schulschwänzer und ihrer Zukunft stehen, nicht zugestanden, selber Kinder zu haben, um deren Zukunft sie sich sorgen und für deren Zukunft sie arbeiten - geschweige denn, dass dieser nun als eigentümlich überflüssig dargestellten Generation noch ein Recht auf eine eigene Zukunft zugebilligt wird. Wie wird wohl die Generation dieser Protestierer reagieren, wenn man ihnen einmal für drei Wochen die warme Dusche abstellt? Kurz gesagt, ich finde dieses mit Schuldzuweisungen verbundene Anspruchsdenken im Verein mit noch nicht erbrachter Lebensleistung – etwas allzu krass. Zumal sie an den Strukturfehlern des eigenen Landes vorbeigeht und auch systematisch vorbeigehen will.
Jede Auseinandersetzung wird mit dem Willen gewonnen. Der Wille zu überleben bedarf erst einmal des Willens zur Erkenntnis der eigenen Lage. Es scheint, als sei die Gewissheit, dass dieses Land und diese Gesellschaft nicht nur erhaltenswert sind, sondern auch für unsere Zukunft erhalten werden müssen, kein geistiges Gemeingut mehr. Stattdessen scheint von einer Art Schlaraffenland ausgegangen zu werden, das sich allein durch frommen Wunsch selbst erneuert, oder dessen Ressourcen gerade für ein eigenes Leben in Bequemlichkeit noch ausreichen, und dann Gute Nacht.
Paradox ist dabei das eigenartige Nebeneinander, in der offiziellen Propaganda, von rabiater Entgrenzungstendenz hin zu immer größeren politischen Einheiten mit der absichtlichen Schleifung bewährter gewachsener Identitäten, die bis vor 20 Jahren niemals öffentlich zur Disposition standen, mit einer ebenso rabiaten Forderung nach maximaler individueller Selbstverwirklichung, die in vielen Fällen mangels schöpferischen Talents des Individuums über dessen Status- und Konsumbedürfnisse ausgelebt werden muss und manche Tasche füllt. Die Menschen werden in ihrer Vereinzelung glorifiziert und könnten sich angeblich nichts Schöneres vorstellen, während man zugleich den Sack zumacht und all ihre gewachsenen Gemeinschaften systematisch zerstört, auf dass es kein Zurück gebe – und der vereinzelte Mensch zur Gestaltungsmasse für Ideologen wird. Ich halte beide Entwicklungen für eine Fehlsteuerung, die zum Glück der Menschen sehr wenig beiträgt und am Ende eine innere Leere generiert. Menschen brauchen Identität und Menschen brauchen Verpflichtungen, und weder diese Bedürfnisse, noch die Art ihrer sinnhaften Befriedigung werden von Sozialwissenschaftlern oder Politikern am Reißbrett konstruiert und künstlich ersonnen – die Einheiten und Organisationsmuster, in denen sie befriedigt werden, sind biologisch bedingt und historisch gewachsen.
Ehrlicher Weise muss man sagen: Es haben gute Vorbilder gefehlt, um Widerstandskraft gegen ideologischen Wahn und gegen Verfallserscheinungen zu schaffen. Die deutsche Nation und ihre Zukunft in positiver und konstruktiver Weise, mit dem Anspruch auf Zukunft, zu diskutieren und darzustellen, war aus politischen Ängsten heraus in den vergangenen 30 Jahren beinahe Tabu. Selbst von manchem Rentner bekommt ein Jüngerer heute zu hören, ihm gehe es gut, er habe für sich gesorgt, für ihn reiche es noch, und nach mir die Sintflut. Es wird da auch nicht motivierend sein, wenn man als Jüngerer selbst genau weiß, für eine Kreuzfahrt wird es im achten Lebensjahrzehnt ziemlich sicher nicht mehr reichen – und man für seine eigene Situation beim Älteren kein Verständnis findet, und stattdessen vielleicht sogar Häme (schließlich hat das Alter allein noch Keinen vor Egoismus und schlechtem Charakter bewahrt). Wurde in den 1990er Jahren über die Perspektiven nach der deutschen Wiedervereinigung gesprochen, so wurde von der politischen Klasse die Notwendigkeit einer neuen, vom Staatsvolk abzustimmenden Verfassung konsequent beerdigt und letztendlich mit dem Euro eine Auflösung unseres Staates in einem Vereinigten Europa an der Bevölkerung vorbei bereits vorangetrieben. Öffentlich-mediale Diskussionen über unser Land erschöpften sich in einem kruden Ökonomismus und Materialismus: Meine Leser werden sich an den Begriff „Standort Deutschland“ erinnern, mit dem jede eigentlich nationale Diskussion verflacht und totgeschlagen wurde, während jede ernsthafte Diskussion über Vermögensverteilung als „Neiddebatte“ diffamiert wurde. Es waren letztendlich dieselben eigennützigen Interessen in unserer Gesellschaft, welche die Wehrpflicht und mit ihr den Gedanken der Wehrhaftigkeit unserer Gesellschaft selbst als angeblich nicht mehr zeitgemäß de facto abgeschafft haben. Sie wollten ihren Gruppenvorteil, aber das Ganze und sein Zusammenhalt haben sie nicht interessiert. Nicht nur hat man mit der Abschaffung des Wehr- und des Zivildienstes an seinem eigenen Vaterland eine massive Lücke in der Versorgung kranker und bedürftiger Menschen geschaffen; man hat auch jedem jungen Mann die Möglichkeit genommen, wenigstens einmal im Leben einen LKW zu waschen und sich unter Einschränkung seiner eigenen Freiheiten zwangsweise mit Menschen aus anderen sozialen Schichten und Regionen auseinandersetzen zu müssen, sich einordnen und unterordnen zu müssen. Also einem großen Ganzen verpflichtet zu sein und diesem dienen zu müssen, dafür aber auch Anerkennung zu finden. Nicht dass dies immer schön wäre, aber es lehrt etwas über Notwendigkeit.
Befindlichkeit und gar Zickigkeit zu pflegen, wird geradezu als gesellschaftliches Erfordernis oder Tugend dargestellt, denn der Zusammenhalt eines großen Ganzen wurde nicht als Notwendigkeit gelehrt. In diesen Zusammenhang der Auflösung gewachsener Strukturen, die Halt geben, passen natürlich auch verfassungsmäßige Kinderrechte gegenüber den eigenen Eltern, die nach wie vor wirtschaftlich verantwortlich sind. Das Funktionieren des Individuums kann schließlich auch nicht mehr gut öffentlich eingefordert werden, nicht wahr, wenn ein Staat sein eigenes Bürgerrecht, sein eigenes Recht, seine eigenen Grenzen, seinen eigenen Bestand negiert und als nicht mehr notwendig darstellt und seine Autorität lediglich noch in der Theorie von abstrakten Menschheitsidealen und in der Realität von unverhohlenem Anpassungszwang ableitet. Diese mediale Bild einer angeblich infantilen Generation ist heute eigentümlich allgegenwärtig. Schlimm ist die völlige Würdelosigkeit dieser Rollenangebote. Denn wer sich als Narr darstellen lässt, wer als junger Mann das ewige ungezogene Kind mimt, der kann auch keine gesellschaftlich-politischen Forderungen für die Jugend formulieren (außer etwa, allerorten freies WLAN). Er ist politisch leicht händelbar und ist seinerseits Manipulator, der eine seichtes Leben propagiert. Er wird auf subtile Weise ausgenutzt, so wie die Jungen immer ausgenutzt werden.
Wir sind in einer merkwürdigen Situation, in der das politische Establishment die Wege, in die hinein sich jugendlicher Elan ausleben soll, rigoros vorgibt. Engagement ist erwünscht und wird allerorten gelobt – sofern es sich an die rituell kanalisierten, geradezu systemtragenden Zwecke hält. „Zivilcourage“ gegen angebliche „Rechte“ geht immer, vor allem aber geht „Klimaschutz“ – ein Vergnügen scheinbar ohne Reue, wo jeder was Gutes tun und sich den Guten zugehörig fühlen kann. Nur nicht an der Generallinie sich eines in Welt-Wohlgefallen auflösenden Landes zweifeln, das genießen will und seine demographische Reproduktion durch unbesehenen Bevölkerungsimport ersetzt! Paare arbeiten zu zwei für ihren materiellen Wohlstand oder ihre Selbstverwirklichung und haben für Kinder keinen Platz und keine Zeit in ihrem Leben. Sie vergessen dabei vielleicht, unter welchen widrigen Bedingungen sie selber großgezogen wurden: Der Wille zur Zukunft zählte, und Schwierigkeiten wurden überwunden, weil sie überwunden werden mußten. Paradoxer Weise möchten manche Menschen eigenen Kindern solche Bedingungen nicht zumuten, verständlich, und haben diese Kinder lieber nicht, oder sie haben Angst vor eigener Verzichtsleistung und sozialem Abstieg – ein Luxusproblem, wie jeder familiensinnige und nicht von Luxuszweifeln gerittene Einwanderer finden wird. Er will Leben und will Erfolg für sich und die Seinen, und dieser „Biss“ geht der einheimischen Gesellschaft heute ab. Sie verwaltet sich stattdessen in Dekadenz – und ritualisiert die Zukunft in merkwürdiger Form, wo sie sie real ignoriert. Es werden der Jugend vorgefertigte Betätigungsfelder geschaffen, die Energien systemtragend kanalisieren: Selbst die Fridays-for-Future Veranstaltungen einer Greta Thunberg oder Luisa Neubauer sind bei allem Protestgehabe zutiefst systemtragend, was sie übrigens von den 1968er Protesten grundlegend unterscheidet. Man geht als Protestierer in seinem vermeintlichen Wissen um die Natur der Welt und deren Besserung von Optionen aus, die man in freier Entscheidung zu haben glaubt.
Dass es ohne Wohlstand keine Optionen gibt, wird vergessen – oder haben unsere eigenen Vorfahren zum Spaß den Wald gerodet, wie wir es ärmeren Ländern heute vorwerfen und sie aus unserem vermeintlichen Überfluss für ein Unterlassen zu alimentieren versprechen? Man geht von der Erfahrung eines Wohlstandes aus, die man selbstverständlich macht, und disponiert in seinem Weltrettungswillen zugleich über die Quellen dieses Wohlstandes, den man selbst zu erschaffen gar keine aktive Lebenszeit hatte, und der sich aller Voraussicht nach in unserem Land so auch nicht wiederholen lässt. Zugleich aber darf man ganz radikal seine individuelle Befindlichkeit ausleben, und das ist ebenso attraktiv wie ungehörig. „Ich will, dass ihr in Panik geratet!“ ruft Greta, und an jedem bürgerlichen sonntagnachmittäglichen Kaffeetisch der frühen 1980er Jahre hätte sie dafür erst einmal eine Ohrfeige eingefangen. Denn sie tut weniger Problembewusstsein als Herrschaftswillen kund. Heute dagegen wird sie von Medien und etablierter Politik als angebliches Wunderkind gefeiert, dessen Mund Wahrheit kundtue, und mancher Bischof, dem die Essenz seines Glaubens abhandengekommen ist, sieht in ihr scheinbar die Nachfolgerin Christi, seines Gottes. Der zog es schließlich vor, in unansehnlicher Gestalt unter die Menschen zu kommen. Mit solchen Unsinnsvorstellungen beschäftigt sich dieses Land.
Laut WDR vom 11.4.2019 (unter dem treffenden Untertitel „Nachkriegsgeneration überträgt ihr Vermögen“) wurde 2016 in Deutschland Vermögen in einer Höhe von 109 Milliarden und 2017 von 97 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt. Nichts liegt für die Erbengeneration offenbar näher, als diesen von der Vorgeneration erarbeiteten Bonus als ihr selbstverständliches Privileg anzusehen und sich in einem Leben voller Optionen zu wähnen, welche die Werte schaffende Nachkriegsgeneration in ihrem Existenzkampf nicht hatte. Man sieht die kausale Verbindung zwischen dem diese Optionen schaffenden Wohlstand und seinen Wurzeln offenbar nicht mehr und nimmt diese Optionen für selbstverständlich. Laut WELT.de vom 14.8.2019 ist „Deutschland das ökonomische Schlusslicht der Eurozone“, dessen Wirtschaft bereits im zweiten Quartal schrumpfte. Bei den 30 größten DAX-Konzernen seien die Gewinnerwartungen binnen kurzer Zeit um 10% gefallen. Man hat den bösen Verdacht, eine Generation wolle sich zur Ruhe setzen und sich in hypermoralischen Welt-Heilsplänen ergehen, bevor sie überhaupt ihre eigene Existenz, geschweige denn die Zukunft ihrer Kinder gesichert hat. Bevor sie überhaupt losgelegt hat.
Man ignoriert in seinen dogmatischen CO2-Debatten und Plänen, dass wir niemals eine Landwirtschaft hatten, wo so wenige Produzenten so viele Konsumenten so kostengünstig ernährten und diesen Konsumenten erst die Möglichkeit gaben, sich zwischen zwei Trekking-Urlauben in exotischen Ländern zu Salon-Weltverbesserern zu mausern und über die Ressourcen und die Arbeit ganz fremder, aber realer Menschen zu disponieren. Oder eine Medizin mit phantastischen Möglichkeiten, die uns nicht wie Wilde der blinden Natur ausliefert. Stattdessen erleben wir den ritualisierten Willen zu einem „unschuldigen Leben“, wo ja nur alles vegan sein soll, und wie in einem irdischen Paradies nichts und niemand unter unserem Fußabdruck leiden. Wo man dennoch angeblich keinen Mangel kennt, weil alle mit allen teilen. Wer so denkt, hat schlicht keinerlei reale Lebenserfahrung, oder leugnet sie. Wir erleben einen infantilen, regressiven Rückzug von unserer eigenen Zukunft, der zugleich mit massivem Herrschaftswillen linker Ideologen kombiniert ist, die keinen Wohlstand schaffen, aber den künstlich erzeugten Mangel zum sozialen Werkzeug machen können. Wir nehmen eine Auszeit von jeder Vernunft und jedem Realitätssinn. Wir erleben reale und zugleich unglaublich bizarre Diskussionen, von linksgrünen Ideologen sehr energisch befördert und von unseren verunsicherten Rest-Bürgerlichen beinahe widerspruchslos toleriert, Grundbedürfnisse der Menschen – wie Mobilität oder Wohnraum – zu Luxusgütern zu erklären, künstlich zu verknappen, und an gefügige Systemfreunde als Privilegien zu verteilen. So wie der DDR-Bürger früher auf seinen Trabi wartete, und der Funktionär ihn eben bedeutend früher erhalten haben mag. Weniger ist mehr, und alles schreit Hurra. All dies tun junge Menschen völlig freimütig, die vielleicht noch nicht mitbekommen haben, dass die Daimler-Stadt Sindelfingen nach der zweiten Gewinnwarnung des Konzerns in Folge eine Haushaltssperre (s. Stuttgarter Nachrichten vom 14.6.2019) eingeführt hat, weil sie mit einem Einbruch der Gewerbesteuer rechnen muss. Von gewohnten 83 Millionen Euro fehlen der Stadt voraussichtlich 20 Millionen. 
Das wird der Punkt sein, an dem der Regen richtig kalt wird.
Bleiben Sie gesund.
Ihr Emil Sänze


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